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...ich will ihm aber nicht weh tun

  • vor 1 Tag
  • 2 Min. Lesezeit

Warum junge Pferde etwas anderes brauchen als neue Gebisse

„Ich will ihm nicht wehtun.“ Diesen Satz höre ich oft von Reiterinnen, die gerade ein junges Pferd ausbilden. Und gleichzeitig sehe ich, wie Gebisse gewechselt werden, Zäumungen ausprobiert, Zügelstärken variiert, Pads untergelegt, Sättel getauscht und Bosals, Sidepulls und allerlei Kombinationen getestet werden. Immer in der Hoffnung, dass es dann irgendwie besser geht.

Doch selten wird darüber nachgedacht, welche Einwirkungspunkte ein Gebiss überhaupt hat. Noch seltener darüber, dass ein junges Pferd zu Beginn schlicht nicht versteht, was da gerade mit ihm passiert. Es weiß nicht, was wir wollen. Es weiß nicht, was „richtig“ oder „falsch“ ist. Es weiß nicht, warum wir plötzlich Druck machen oder warum wir ihn wegnehmen.

Ein junges Pferd ist wie ein unbeschriebenes, blütenreines Blatt Papier. Und wenn es sich nicht so formt, wie wir es uns vorstellen, wird oft am Material herumgeschraubt, statt am Verständnis.

Irgendwann „funktioniert“ es dann. Irgendwann passt es sich an. Irgendwann entspricht es dem Bild, das wir im Kopf hatten. Aber zu welchem Preis?

Ein junges Pferd denkt wie ein Dreijähriger

Verspielt. Weltoffen. Kurz konzentriert. Und völlig ahnungslos, was wir da eigentlich von ihm wollen.

Nicht, weil es „stur“ ist. Nicht, weil es „nicht mitarbeitet“. Sondern weil unsere Anforderungen nicht natürlich sind.

Ein Pferd kommt nicht auf die Welt und weiß, was ein Zügel bedeutet. Oder ein Schenkel. Oder ein Gebiss. Oder warum es plötzlich im Kreis laufen soll.

Wenn wir das vergessen, verlieren wir den wichtigsten Teil der Ausbildung: Mitgefühl.

Denkt und fühlt auf dem Niveau eines liebenden Pferdes.



Stellt euch vor, ihr würdet mit einem dreijährigen Kind arbeiten:

  • verspielt

  • neugierig

  • schnell abgelenkt

  • voller Vertrauen

  • voller Fragen

  • und ohne jede Vorstellung davon, was „Ausbildung“ bedeutet

Genau so denkt ein junges Pferd.

Also macht es ihm:

  • spannend

  • lustig

  • kurzweilig

  • und vor allem kontinuierlich gleich

Keine ständigen Wechsel von Ausrüstung, Druckpunkten oder Erwartungen. Sondern bunte, lustige wiederholende „Teletubbies“ – kleine, klare, wiederkehrende Signale, die das Pferd verstehen kann.

So entsteht entspannte, freudige Arbeit. So entsteht Vertrauen. So entsteht echte Ausbildung.

Fazit: Weniger Werkzeug – mehr Beziehung

Ein junges Pferd braucht keine Sammlung an Gebissen. Es braucht uns:

  • klar

  • geduldig

  • spielerisch

  • konsequent

  • und bereit, auf seiner Ebene zu denken

Wenn wir das schaffen, wird aus dem blütenreinen Blatt kein zerknittertes Papier – sondern ein wunderschön beschriebenes, gemeinsam gestaltetes Kunstwerk.


 

 
 
 

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